Schloss Edesheim,
Sitz der Fürstbischöfe von Speyer, kombiniert den Klassischen Stil mit einem
verträumten Ambiente für Kultur, Ruhe und Beschaulichkeit.
Chronik
Die Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahre 800 verkündete
Aufbruchstimmung in ein Zeitalter großer Kaiser und Könige, deren Schicksal in den
nachfolgenden Jahrhunderten vom Einfluss der Geistlichkeit geprägt war. Just zur gleichen
Zeit legte die Geistlichkeit den Grundstein für das Edesheimer Schloss und bestimmte
maßgeblich dessen Entwicklung über die Blütezeit im Mittelalter.
Das Schloss erfuhr seine älteste urkundliche Erwähnung im Jahre 756
durch die Benediktinerabtei im nahen elsässischen Weissenburg. Schloss Edesheim als
Herrenhof samt Personal und Flurstück blieb Weissenburger Besitz bis ins 15. Jhd.
Weissenburg war in fränkischer Zeit und im frühen Mittelalter ein hochbedeutsames
Verwaltungszentrum und ein Hort blühender Gelehrsamkeit, bis dann das 16. Jhd. einen
zwischenzeitlichen Niedergang erbrachte und zu Zerstörungen und Plünderungen (1525) in
den Bauernkriegen führte.
Wenige Jahre vor der Entdeckung Amerikas war das Schloss im Jahre 1483
in fürstbischöflichen Besitz des Bischofs von Speyer gelangt, einer der Reichsbischöfe,
der auch zu der deutschen Kaiserwahl berufen war. Nach der Besitzübergabe von Schloss und
Dorf Edesheim im Jahre 1487 wurde das Schloss zum Amtssitz erhoben und bischöflicher
Vogtsitz (Verwaltungszentrum). In dieser Zeit regierte Kaiser Maximilian I. als Herr der
Harbsburgischen Erblande mit einer Schlüsselstellung in Europa (1493-1519).
Im Schloss folgten 1594 bauliche Veränderungen. Nach der Zerstörung
durch die Franzosen 1694 (französisch - pfälzischer Erbfolgekrieg nach unglücklicher
Heirat Liselotte von der Pfalz mit Philippe von Orléans) erfolgten
Wiederaufbaumaßnahmen.
Wie aus dem Kaufvertrag zwischen Bischof und Weissenburger Kloster
hervorgeht, war das Edesheimer Schloss bereits im 15. Jhd. Wasserburg. Die genaue
Entstehungszeit der Wasseranlagen dürfte bis ins 12. Jhd. zurückreichen. Zu dem heute
noch vorhandenen Haupthaus von ca. 14 x 23 m stand einst rechtwinklig ein Querbau, der als
Herrenhaus und Wohn- und Gästehaus diente. Dieser Querbau wurde 1748 abgerissen und im
19. Jhd. mit Turmaufbau neu gestaltet.
Die gesamte bauliche Anlage war seit dem Mittelalter von einem breiten
Graben in Teichform umschlossen. Vom äusseren Schloßweg (Mittelachse) konnten die
Gebäude nur über eine Zugbrücke passiert werden. Der Platz der ehemaligen Zugbrücke
wurde im 19. Jhd. durch eine Steinbrücke ersetzt. Dort schloss sich auch nach Osten
hufeisenförmig ein zweiter Wassergraben an, der in einem größeren Bogen auch die
Wirtschaftsgebäude (Residenz) sicherte. An den Schnittpunkten des Schlossweges befanden
sich weitere Zugbrücken. Mit diesen Zugbrücken kontrollierte man die Durchgangsstraße
von Landau nach Neustadt, auf der Wegezoll erhoben wurde.
Das Wasser im Schlossgraben wurde durch einen Stichkanal gespeist, der
vom Mühlbach bei der nahen Dorfmühle abzweigt, die sich in früherer Zeit (ebenso wie
das benachbarte Areal des Kupperwolf-Schlösschens und mehrere Gesinde Häuser) noch im
Schlossbesitz befand. Der Kanalverlauf ist heute noch zu sehen. Er verläuft parallel zum
Mauerzug, der das Schlossgelände von den Häusern unterhalb der Dorfmühle trennt.
Über die Entstehungszeit der Schlossumfassungsmauer mit einer
Gesamtlänge von rund 2000 m, bestehen unterschiedliche Auffassungen. Ein in der
Umfassungsmauer gefundener Urkundsstein ist mit der Jahreszahl 1570 versehen; Mauertechnik
und Steinmaterial lassen jedoch Rückschlüsse auf eine ältere Entstehungszeit zu, die
bis in die Stauferzeit zurückreicht (sog. Staufer-Behau sichtbar an verwendeten
Mauerquadern).
Nach der Verstaatlichung des Kirchenbesitzes durch Napoleon (1803-1806)
gelangte das Schloss in viermal wechselnden Privatbesitz, bevor es 1993 in völlig marodem
Zustand von der Mannheimer Kaufmannsfamilie Auracher gekauft und saniert wurde. Nach der
Einrichtung von zwei privaten Wohnungen im Schloß und in der Residenz entstand auch das
heute als 4-Sterne-Hotel ausgezeichnete 674-edes Schlosshotel Pfalz sowie der Kulturplatz "Festspiele Schloss
Edesheim", der 1996 ins Leben gerufen wurde.
Eine historische Atmosphäre bei den Festspielen vermittelt der
wiederangelegte Schlossgraben mit rund 500 qm Wasserfläche und einer Wassertiefe bis zu
2,20 m. Der Graben ist umsäumt von einem Fußweg und einer Fußgängerbrücke auf der
Ostseite, der den Weg zu dem neu entstandenen Freilichttheater für rund 900 Besucher auf
die Südwest-Ecke des Schlosses verbindet. Im unteren Schlosshof entstand eine Konzertbühne. Hier findet einmal
jährlich ein Schlossfest mit
Livemusik statt.
Seit 1996 erfreut sich das Schloss als Kulturplatz der Südlichen
Weinstraße, ständig wachsender Beliebtheit bei seinen Besuchern (von 1996 bis 1998:
60.000 Besucher).
674-edes
Schlosshotel Pfalz hat für die Region Südliche Weinstraße Identifikationscharakter
entwickelt und über die regionale Anziehungskraft hinaus Zeichen gesetzt.